Eine kurze Geschichte des Wortsuchrätsels
Wie ein Rätsel aus einem kostenlosen Anzeigenblatt in Norman, Oklahoma, im Jahr 1968 zu einem der bekanntesten Worträtsel der Welt wurde.
Ein einfaches Rätsel mit umstrittenem Geburtstag
Das Wortsuchrätsel wirkt so selbstverständlich, dass man leicht glaubt, es habe es schon immer gegeben. Tatsächlich ist es ein recht junges Rätsel, mehr als ein halbes Jahrhundert jünger als das Kreuzworträtsel, das 1913 zum ersten Mal in einer New Yorker Zeitung erschien, und niemand kann mit völliger Sicherheit sagen, wer das erste gemacht hat. Am häufigsten wird ein Amerikaner genannt: Norman E. Gibat, der 1968 in Oklahoma ein Wortsuchrätsel veröffentlichte. In Spanien gilt der Rätselautor Pedro Ocón de Oro als Erfinder derselben Rätselart, ungefähr zur selben Zeit. Diese Seite erzählt beide Geschichten und was danach aus dem Rätsel wurde.
Norman, Oklahoma, 1968
Ende der 1960er-Jahre betrieb Norman Gibat eine kleine Druckerei in Norman, Oklahoma. Unter anderem druckte er den Selenby Digest, ein kostenloses Kleinanzeigenblatt, das bei Safeway, TG&Y und anderen Geschäften am Ort auslag. Der seltsame Name stand, wie er später erklärte, für „sell and buy“, also „verkaufen und kaufen“, und um nichts anderes ging es in dem Blatt.
Die Ausgabe vom 1. März 1968 enthielt eine neue Art von Rätsel. Gibat nannte es „Oklahoma anagram“: ein Block aus Buchstaben, in dem die Namen von Orten und Städten in Oklahoma versteckt waren. Im zweiten Rätsel ging es um die Straßen von Norman. In einem Interview mit der Zeitung The Oklahoman beschrieb er 2004 sein Ziel ganz schlicht, sinngemäß:
Er habe etwas gesucht, das die Leute leicht lösen konnten, während sie im Supermarkt an der Kasse anstanden.
Gibats Originalrätsel ist hier nicht abgebildet, aber dieses kleine Gitter folgt demselben Gedanken: Fünf Ortsnamen aus Oklahoma, darunter Norman, sind waagerecht, rückwärts, von unten nach oben und diagonal versteckt.
NORMAN füllt die unterste Reihe, ENID läuft von oben schräg nach unten, und HUGO liest sich in der fünften Reihe rückwärts. YUKON und ALVA warten noch: Beide laufen von unten nach oben, in der ersten und in der letzten Spalte.
Vom Anzeigenblatt ins Klassenzimmer
Das Rätsel kam besser an als die Kleinanzeigen drumherum. Kurz nach dem Start baten einige Lehrerinnen und Lehrer aus Norman Gibat um Kopien für ihren Unterricht. Eine von ihnen, so erinnerte er sich, schickte Kopien an Freunde und Verwandte in anderen Städten, die ebenfalls unterrichteten, und auf diesem Weg verbreitete sich das Rätsel unter anderem. Das Anzeigenblatt selbst hielt sich nicht lange: Gibat stellte es 1970 ein und druckte das Rätsel nie wieder. Etwa zehn Jahre später, erzählte er, habe er eines in einer Zeitung gesehen, und inzwischen sei es ganz alltäglich.
Gibat war überzeugt, das erste Wortsuchrätsel überhaupt veröffentlicht zu haben. Er erzählte The Oklahoman, er habe an Associated Press, United Press und große Zeitungen geschrieben, und niemand habe ihm etwas nennen können, das auch nur annähernd so früh erschienen sei. 1973 zog er zurück in seine Heimatstadt Fostoria in Ohio, wo er 2012 starb.
Die spanische „Sopa de letras“
In Spanien und Lateinamerika heißt das Wortsuchrätsel sopa de letras, „Buchstabensuppe“, und spanische Quellen schreiben seine Erfindung Pedro Ocón de Oro zu, einem Rätselautor aus Madrid, der rund vierzig Jahre lang Rätsel für Zeitungen wie ABC entwarf. Er war unglaublich produktiv: ABC schreibt ihm mehr als 600.000 Rätsel in etwa 125 verschiedenen Arten zu, und 1976 gründete er eine Rätselzeitschrift namens Sopa de Letras. Er starb 1999.
Wann seine erste sopa de letras erschien, konnte bisher niemand belegen. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob sie vor oder nach Gibats Gitter entstand. Gut möglich, dass dieselbe einfache Idee mehreren Rätselmachern ungefähr gleichzeitig kam.
Der Weg in die Zeitungen
Anfang der 1970er-Jahre tauchten Wortsuchrätsel längst nicht mehr nur in Oklahoma auf. Eines der bekanntesten ist Wonderword, erfunden von der kanadischen Autorin Jo Ouellet. Es erschien 1970 erstmals in mehreren Zeitungen zugleich, in Edmonton und Montreal, und 1980 übernahm es das Universal Press Syndicate, heute Andrews McMeel. Wonderword brachte eine Neuerung, die viele Rätsel bis heute verwenden: Sind alle Wörter der Liste gefunden, ergeben die übrigen Buchstaben eine versteckte Lösung. Nach Jo Ouellets Tod im Jahr 1997 führte ihr Sohn David, der ihr seit 1980 geholfen hatte, das Rätsel weiter.
Das Rätsel schaffte es sogar ins Fernsehen. In Now You See It, einer Spielshow des Senders CBS mit Moderator Jack Narz, die von April 1974 bis Juni 1975 lief, beantworteten die Kandidaten Wissensfragen, deren Antworten in einer großen Buchstabentafel aus vier Reihen zu je vierzehn Buchstaben versteckt waren. 1989 holte CBS die Sendung kurzzeitig zurück.
Ein Rätsel, viele Namen
Weil das Rätsel an vielen Orten zugleich entstand, hat es nie einen einheitlichen Namen bekommen. Im Deutschen heißt es Wortsuchrätsel, Buchstabensalat, Suchsel oder einfach Wortsuche. Im Englischen sagt man word search, aber auch word find, word seek, word sleuth oder mystery word puzzle. Andere Sprachen haben eigene Namen: sopa de letras im Spanischen, mots mêlés („durcheinandergeworfene Wörter“) im Französischen, caça-palavras („Wörterjagd“) im brasilianischen Portugiesisch, woordzoeker im Niederländischen und osmisměrka im Tschechischen, ein Name, der auf den tschechischen Wörtern für „acht Richtungen“ beruht.
Vom Papier auf den Bildschirm
In den ersten Jahrzehnten lebte das Wortsuchrätsel auf Papier: in Zeitungen, in Rätselheften, die sich ganz ihm widmeten, und in Beschäftigungsbüchern für Kinder. Lehrkräfte nutzten es weiter, so wie die Lehrer in Norman 1968, vor allem für Rechtschreibung und für Vokabeln im Fremdsprachenunterricht. Computer haben eher verändert, wie Rätsel gemacht werden, als wie sie gespielt werden. Ein Programm versteckt eine Wortliste in einem Gitter und füllt die Lücken in Sekundenbruchteilen, deshalb bekommst du heute auf Knopfdruck jedes Mal ein neues Rätsel.
Genau das macht diese Seite. Word-Search.org bietet seit 2022 ein kostenloses Wortsuchrätsel im Netz an, und unser Generator hält sich an dieselben Regeln wie ein sorgfältiger Rätselmacher: jedes Wort in einer geraden Linie, Kreuzungen erlaubt und kein Wort doppelt. Du kannst es auf der Startseite spielen, ein Tagesrätsel mit Thema probieren, ganz klassisch eines ausdrucken oder mit dem Wortsuchrätsel-Generator dein eigenes Gitter bauen, so ähnlich wie Gibat damals.
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